«Erfolgsfaktoren werden nach Einschätzung von Professor Reinhold Görling an dem interkulturellen Kunstprojekt „Sehnsucht nach Ebene II“ in Hagen erkennbar: „Das Brücken-Projekt greift Gefühle und Erfahrungen auf und macht sie öffentlich. Es schafft eine Zugehörigkeit der Menschen zu ihrem Stadtteil. Solche künstlerischen Projekte sind zwar punktuell, aber man darf ihren Wert nicht unterschätzen. Man kann dadurch erfahren, was Kultur ist und wo unsere Identitäten verwurzelt sind. (…) Kunst, so könnte man vielleicht sagen, ist das, was an der ständigen Umarbeitung arbeitet: der Umarbeitung von Ausschließung in Öffnung, von Zwang in kulturelles Vermögen. Wenn man diese Definition von Kunst gelten lässt, wird klar, welch bedeutsame Rolle der Kunst sowohl in einem weiten als auch in einem engeren Sinn bei der Entfaltung von kulturellem Vermögen zukommt: sie ist gewissermaßen das Scharnier der Tür, durch die wir gehen können, die wir aber auf jeden Fall offen halten müssen. Aus diesen Einschätzungen ergeben sich Kriterien, Projekte, die die Freisetzung von kultureller Potentialität ermöglichen, von solchen zu unterscheiden, die an kulturellen Schließungen arbeiten. (…) Eins ist jedoch klar: In die Qualität unserer Beziehungen untereinander und damit in die Erweiterung unseres kulturellen Möglichkeitsraums kann gar nicht genug investiert werden. Das betrifft nicht nur Menschen mit Migrationshintergrund, sie sind aber vielleicht diejenigen, die der Entfaltung solcher Räume am dringendsten bedürfen – und dazu am meisten beizutragen hätten.“
Es entstehe gerade erst ein Bewusstsein dafür, dass es sich um eine große Gruppe handelt. „Die Wirtschaft ist schon länger an dieser Klientel interessiert. Sie hat zum Beispiel die Sinus-Studie mitfinanziert, weil sie weiß: Das ist ein Potenzial.“ Es gehe darum, zu wissen, wie man Migranten ansprechen kann, denn Kultur ist ein wichtiger Faktor der Integration.
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Prof. Dr. Reinhold Görling, Institut für Kultur und Medien der Heinrich-Heine-Universität Düsseldorf -
24.08.2008