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Sie funktioniert schon - ZUM WOCHENENDE - Mit 16 Jahren hatte ich einen rustikalen Kunstgeschmack. Dieser veranlasste mich, meiner Kunstlehrerin mitzuteilen, dass ich die Installationen in Einkaufswagen, die sie da mit der Stufe 13 gemacht hätte, nicht für Kunst hielt. "Wieso", fragte sie, "was siehst du denn darin?" Und ich erzählte von Konsumkritik, die das bestimmt darstellen sollte und so weiter und so fort. "Siehst du", sagte sie nach einer Minute, "ich weiß zwar nicht, ob das stimmt. Aber da du dich jetzt schon eine Minute darüber auslassen kannst, hat sie ihren Sinn doch schon erfüllt."
So gesehen hat auch die "Sehnsucht nach Ebene II" schon funktioniert. Allein die Diskussion, ob nicht oder ob doch, zwingt ja die Teilnehmer, einmal zu definieren, wie sie denn Integration machen würden. Das ist die Stärke des Konzepts. Kein netter Sonntagmorgen mit Sektglas in der Hand, sondern Kunst als soziales Projekt, bei dem Teilnehmer und Besucher sich und andere in Frage stellen müssen.
Bei einer solchen Diskussion können eigentlich alle nur gewinnen. Vorausgesetzt, die Diskussion wird mit ein wenig Respekt voreinander und auf der Basis von Tatsachen und nachvollziehbaren Argumenten geführt. Gut, es gibt auch erstaunliche Argumente: Da wird die Frage, wer denn die Neonröhren der Lichtinstallationen wechseln soll, zur Finanzkrise stilisiert. Komisch, wegen der Neonröhren der Straßenbeleuchtung, die auch an der Brücke hängen, hat sich noch keiner solche Gedanken gemacht. Sogar die Sorge, dass die Dübel der Lampen mehreren tausend Kubikmetern Stahlbeton den Garaus machen könnten, wird ins Feld geführt.
Eine Diskussion um die Sache hätte dem Haupt- und Finanzausschuss gut zu Gesicht gestanden. Dort sind die Fakten bekannt, dort hätten sie hart aber fair ausgetauscht und bewertet werden können. Aber vielleicht ist schon zuviel Gift in der politischen Diskussion. Wir werden sie weiter führen, und ich hoffe darauf, dass auch die Politik sie nicht bis in den Rat verschiebt.
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Christoph Bauer -
14.09.2007